
Botswana: Camping-Safari auf eigene Faust
8. Oktober 2026Die zwei Seiten des Botswana-Tourismus
Vom Nebentisch her wehte das Lachen der drei jungen Buschpiloten zu uns herüber. Wir saßen auf der Veranda des „Duck Cafés“ in Maun. Die Ventilatoren unter dem Vordach surrten unaufhörlich. Und der Cappucino in den großen Tassen vor uns war der erste vernünftige seit Wochen. Wir waren kurz nach Sonnenaufgang losgelaufen, bevor die große Tageshitze einsetzte, um hier zu frühstücken. Auf der anderen Straßenseite war der Tower des kleinen Flughafens zu sehen, von dem im Minutentakt Helicopter und kleine Cessna-Flugzeuge starteten. Die drei Männer neben uns trugen coole Basecaps, Sonnenbrillen und Khaki-Hemden mit Namens-Aufdruck des Heli-Services von Maun. Die Tagesrucksäcke, die sie neben ihren Stühlen abgestellt hatten, waren mit auffälligen roten Anhängern mit „Pilot“-Schriftzug versehen. Wahrscheinlich, damit niemand sie mit gewöhnlichen Safari-Guides verwechseln konnte.
Maun – das Tor zum Okavango-Delta
Das kleine Städtchen Maun ist das Tor zum Okavango-Delta und damit der größten Tourismus-Attraktion in Botswana. Und in Maun ist deutlich zu sehen, wie sich die Regierung den Tourismus in ihrem Land vorstellt. Das offizielle Motto lautet nämlich: „High Value, Low Volume“. Soll heißen, man versucht mit einem sehr teuren Angebot nur wenige, dafür aber umso zahlungskräftigere Touristen anzuziehen.
Und diese werden dann zum Beispiel von Maun aus mit kleinen Privatflugzeugen oder auch Hubschraubern zu äußerst exklusiven Lodges geflogen, die weit abgelegen mitten in der wasser- und tierreichen Landschaft des Okavango-Deltas liegen und über eigene kleine Start- und Landebahnen verfügen. Und natürlich bieten diese Unterkünfte jede erdenkliche Form von Luxus. Eine Übernachtung in solchen Lodges fängt bei 1500 Euro pro Nacht an und hat nach oben kaum Grenzen. Dafür sind dann aber immerhin Vollpension, Rundumbetreuung und professionell geführte Game Drives inklusive. Und die Weinauswahl muss den Vergleich mit keiner europäischen Luxus-Herberge fürchten. Und ein vollausgestattetes Spa inklusive Massagen gibt es häufig auch dazu.
Wir gehörten zur anderen Gruppe der Reisenden im Okavango-Delta. Zu denjenigen, die das Schutzgebiet im Kernland des Deltas, das „Moremi Game Reserve“, mittels Geländewagen und Dachzelt erkunden wollten. Diese Gruppe wird weit weniger hofiert, denn sie bringt weit weniger Geld ins Land. Für sie hat man nur wenige und äußerst primitive Camps in den Nationalparks des Landes angelegt. Mitunter verfügen sie lediglich über Plumpsklos und sogenannte „Eimer-Duschen“, die man mit selbst mitgebrachtem Wasser befüllen muss. Aufgrund ihrer geringen Anzahl sind sie außerdem häufig bereits ein Jahr im Voraus ausgebucht. Und die Zugangspisten befinden sich vielfach in einem so schlechten Zustand, dass man selbst in einem ausgewachsenen Geländewagen nur im Schritt-Tempo vorankommt. Und wenn man Pech hat, ist eh alles vom Hochwasser überflutet. Aber dazu später mehr…
Wir hatten uns als Ausgangsbasis erstmal am Rande des Parks in einem kleinen Guesthouse wenige Kilometer nördlich von Maun eingemietet. Dort fanden sich die Gäste abends unter einem strohgedeckten Überdach an einer langen Tafel zum Abendessen ein. Und hier waren noch beide Besuchergruppen vereint: die Luxus-Touristen und die „Selfdrive“-Reisenden:
Als wir so zum Abendessen Platz genommen hatten, befand sich zu unser Rechten ein junges niederländisches Paar, das gerade in Botswana angekommen und direkt nach Maun eingeflogen war. Am nächsten Morgen sollten sie von einem Fahrer abgeholt und dann mit einer Cessna ins Delta geflogen werden. In einer zweiten Etappe würde sie dann ein Helikopter weiter zu ihrer Luxus-Lodge bringen. Viel exklusiver ging es nicht.
Auf den Stühlen zu unserer Linken wiederum ließ sich etwas verspätet und deutlich derangiert ein weiteres junges niederländisches Paar nieder. Ziemlich abgekämpft und einigermaßen verzweifelt erzählten sie uns, dass sie gerade mit ihrem gemieteten Geländewagen von einem Abschlepp-Unternehmen auf den Parkplatz der Unterkunft geschleppt worden waren.
Ihnen war passiert, was in dem wasserreichen Moremi Game Reserve tatsächlich häufiger vorkommt: sie waren auf dem Weg zu einem Camp auf ein überflutetes Stück Piste gestoßen, hatten versucht, die Wasserfläche zu überqueren und waren dabei in einem tiefen Loch versunken. Jedenfalls so tief, dass die Motorhaube halb untertauchte und die Bordelektronik ihres Toyota Hilux irreparablen Schaden nahm. Der Wagen war danach nicht mehr fahrtüchtig gewesen. 5 Stunden lang waren sie anschließend aus dem Park wieder herausgeschleppt und nach Maun gebracht worden.

Am nächsten Morgen würde ein Tieflader der Mietwagenfirma kommen und sie und das Auto die gut 850 Kilometer nach Windhoek transportieren. Damit war ihre Reise zu Ende. Und ob die Versicherung auch nur einen Teil des Schadens tragen würde, war äußerst zweifelhaft.
Für uns aber war es eine Mahnung, dass der Total-Verlust des eigenen Autos während einer Geländewagen-Tour durch das Okavango-Delta ein durchaus realistisches Szenario war. Entsprechend vorsichtig würden wir sein.
Einbaum-Tour zwischen Nilpferden und Krokodilen

Vorerst stiegen wir aber auf ein anderes Transportmittel um, das sich im Delta großer Beliebtheit erfreute: das sogenannte Mokoro, ein flacher traditioneller Einbaum, der von einem sogenannten „Poler“ mittels einer langen Stange (dem „Pole“) durch flaches Gewässer gesteuert wird. Es erforderte einiges Training, bis man gelernt hatte, das wackelige Boot sicher durch das Schilf zu steuern. Und gute „Poler“ waren auch bei den Luxus-Lodgen im Okavango-Delta durchaus gefragt.
Wir unternahmen eine mehrstündige Tour, nur unterbrochen von einem kleinen Bushwalk. Dabei konnten wir nicht nur zahlreiche Wasservögel beobachten, sondern begegneten unterwegs im auch zwei Nilpferden und einem ausgewachsenen Krokodil. Sie tauchten kurz aus dem tieferen Wasser auf und verschwanden dann wieder. Unser Poler hielt respektvollen Abstand zu den Tieren. Und angesichts der Instabilität unseres sehr schmalen und dadurch ziemlich wackeligen Bootes war uns das auch sehr Recht!

Elefanten – tot und lebendig

Von Maun aus fuhren wir dann in ein Camp am Rande des Moremi Game Reserves, das von der lokalen Gemeinde geführt wurde. Es war (wie so oft in Botswana) nicht umzäunt, so dass alle Tiere der Umgebung ungehinderten Zugang zu dem Areal hatten.
Unser Zeltplatz war nicht weit von einem Wasserloch entfernt, das stark von Elefanten frequentiert war. Aber daran hatten wir uns ja mittlerweile schon gewöhnt… (siehe auch „Botswana: Camping-Safari auf eigene Faust„). Allerdings wurden wir gewarnt, dass regelmäßig auch Büffel zum Wasserloch kämen und wir uns diesen auf keinen Fall nähern sollten. Nicht, dass der Hinweis jetzt wirklich notwendig war…



Am Nachmittag und frühen Abend machten wir einen Game Drive. Dazu hatten wir einen jungen Guide engagiert, der zu uns ins Auto stieg und uns durch die umliegenden wildreichen Gebiete führte.
Dabei entdeckten wir neben zahlreichen Wildtieren in einem Gebüsch ein Elefanten-Skelett mitsamt Schädel und Stoßzähnen. Den Schädel wollte ich mir gerne aus der Nähe ansehen. Und unser Guide meinte, wir könnten ruhig aussteigen und die imposanten Knochen in Augenschein nehmen. Warum es gerade hier sicher sei, daß Auto zu verlassen und sonst eher nicht, blieb sein Geheimnis. Hetty blieb lieber im Auto, aber bei mir siegte die Neugier über meine Bedenken. Und zum Glück war gerade kein Löwe in der Nähe!

In der Nacht wurden wir in unserem Dachzelt von Lärm direkt neben dem Auto geweckt. Ein Honigdachs hatte mit aller Gewalt den Metallkäfig um einen Mülleimer geknackt und sich über die Reste des Mülls hergemacht. Honigdachse gelten als sehr angriffslustig und extrem furchtlos. Sie nehmen es locker auch mit Löwen auf. Laut „Guinnes Book of Records“ gelten sie sogar als die „furchtlosesten Tiere der Welt“ – wie auch immer man das gemessen haben wollte. Und so war es nur konsequent, dass es ihn nicht im Geringsten störte, als ich ihn aus dem Dachzelt heraus mit meiner Taschenlampe anleuchtete. Und ich verzichtete auf eine weitere Konfrontation – ich gehörte nämlich zugegebenermaßen nicht zu der Kategorie der „furchtlosesten Menschen der Welt“! 😉
Später schnüffelte noch eine Hyäne geräuschvoll um unseren Platz herum, ließ sich aber immerhin durch das Taschenlampen-Licht verscheuchen. Trotzdem schliefen wir diese Nacht insgesamt nicht besonders gut, zumal man im Halbschlaf dazu neigte, jedes Geräusch um uns herum irgendwie als Löwengebrüll zu deuten…
Pech im Moremi Game Reserve
Am nächsten Tag wollten wir dann tiefer ins Okavango-Delta vorstoßen. Wir fuhren zum Moremi Game Reserve im Zentralbereich des Deltas. Aber dort erwartete uns am Parkeingang eine Enttäuschung: die Rangerin im Empfangsgebäude eröffnete uns, dass große Teile des Parks überschwemmt waren. Und damit seien die ohnehin schon schlechten Sandpisten für Autos größtenteils unbefahrbar. Die letzte Regenzeit war ungewöhnlich stark gewesen und die Wasserstände waren immer noch nicht auf ihr normales Maß zurückgegangen.
Lediglich einige kurze Strecken wären vom Gate aus ohne Wasserdurchfahrten zu bewältigen. Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt. Aber wir machten uns auf, zumindest die freigegebenen Routen mit unserem Defender zu erkunden.
Unterwegs sprachen wir mit einigen anderen Geländewagenfahrern, die zum Teil in Kolonne und mit starker Ausrüstung unterwegs waren. Sie riskieren es und befuhren die überfluteten Streckenabschnitte trotz der Warnungen der Ranger. Sie berichteten (zum Teil natürlich nicht ohne Stolz), dass ihnen bei einigen Flussdurchquerungen das Wasser bis über die Motorhaube ihrer Fahrzeuge geströmt war. Ich fühlte mich sofort an die beiden zutiefst niedergeschlagenen jungen Niederländer erinnert, die ihren Wagen hier vor Kurzem versenkt hatten. Und wir beschlossen kein Risiko einzugehen. Unser Defender konnte bis zu 90 cm tiefes Wasser durchfahren, aber eben auch nicht mehr. Und es war ein sehr schmaler Grad zwischen einer sehr coolen Offroad-Aktion und einem kompletten Desaster! Also machten wir uns, nachdem wir einen halben Tag im Park herumgefahren und einige schöne Tierbeobachtungen gemacht hatten, wieder auf den Rückweg. Und wie wir so die kilometerlange Sandpiste zurückfuhren, kamen uns von Weitem zwei Abschleppwagen entgegen, die offenbar die nächsten Unglücksvögel aus dem Wasser bergen mussten…


Hettys perspektief:
Holpernd, rutschend und schlitternd durch den Busch in Botswana!
„Hmmm“, sage ich zu Hartwig, „links oder rechts?“ Wir schauen beide durch die Windschutzscheibe des Autos auf die Straße. Vor uns liegen zwei riesige Schlaglöcher, dazwischen ein unpassierbares Stück Straße. „Ja, das macht jetzt keinen großen Unterschied“, sage ich, „dann halt ganz langsam durch das Schlagloch und weiter.“ In den letzten Tagen in Botswana werden wir in unserem Auto ganz schön durchgeschüttelt. Holpernd, rutschend und schlitternd durch den Busch in Botswana!
Die normalen Straßen lassen sich schon nur mit großer Vorsicht befahren, aber die Pisten in den Nationalparks sind schlichtweg grottenschlecht. Als wir das erste Mal in einen Park fuhren, zeigte Google Maps an, dass wir für etwa 40 Kilometer 2,5 Stunden brauchen würden. Ich dachte wirklich, das sei ein Fehler von Google Maps – so langsam kann man doch nicht fahren, das sind gerade mal 16 Kilometer pro Stunde. Aber ja, es war tatsächlich so. Aber ja, so war es wirklich. Natürlich könnte man schneller fahren, aber dann besteht ein großes Risiko, dass das Auto beschädigt wird, und das wollten wir natürlich unbedingt vermeiden.
Abgesehen davon, dass die Straßen aus Sand oder Schotter bestehen, weisen sie enorm viele Schlaglöcher auf und sind schmal – so schmal, dass wir auch ein paar Kratzer ans Auto bekamen. Auf solchen Straßen kann man nicht schnell fahren, aber wir genießen die Natur. Allerdings finden wir die Natur in Namibia schöner und auf jeden Fall abwechslungsreicher. In Botswana ist es grüner, aber auch etwas eintöniger, was die Natur angeht.
Natürlich hatten wir auch wieder eine kleine Begegnung mit einem Elefanten. Auf dem Campingplatz in Kaziikini hatten wir einen Guide engagiert, der mit uns im Auto in den Park fuhr. Dadurch durften wir auch auf Straßen fahren, die für die anderen Touristen gesperrt waren. Wir sahen sehr viele Tiere, es war wirklich wunderschön. Natürlich war die Straße dort wieder schlecht, schmal und voller tiefem Sand. Irgendwann sahen wir einen großen Elefanten stehen; die Piste gabelte sich hier: nach links führte ein etwas besserer Wegabschnitt – ein Umweg, da der Weg nach rechts aus wirklich tiefem Sand bestand und in sehr schlechtem Zustand war. Wir fuhren natürlich nach links, aber leider stand dort der Elefant auf dem Weg, also mussten wir doch nach rechts ausweichen. Hartwig gab ordentlich Gas, und in zwei Metern Entfernung von dem nicht gerade freundlichen Elefanten rutschten wir an ihm vorbei. Wir hofften inständig, dass wir nicht ausgerechnet da im Sand stecken bleiben würden. Wir drei waren erleichtert, dass wir heil daran vorbeigekommen waren. Mir stand der Schweiß auf der Stirn. Eigentlich hatte ich schon sofort wieder genug davon: „Können wir bitte zurückfahren?“
Aber zwei Vorteile hat das Ganze: Wir sind beide mittlerweile schon sehr geübte Offroad-Fahrer (Kämpfer) geworden. Und ich muss nicht laufen, denn durch das viele Holpern im Auto glaubt mein Fitbit, ich wäre stundenlang gelaufen, sodass ich jeden Tag mindestens 10.000 Schritte zurückgelegt habe, ohne spazieren zu gehen! Obwohl ich das Wandern doch sehr vermisse – abgesehen davon, dass es zu viele gefährliche Tiere gibt, ist es tagsüber auch unglaublich heiß. So kann man nur morgens und nach 17:00 Uhr laufen. Die Sonne geht jedoch bereits gegen 18:15 Uhr unter, und innerhalb einer halben Stunde ist es richtig dunkel.
Wir sind aber sehr froh, dass wir die Klimaanlage in Windhoek reparieren lassen haben (siehe „Von technischen Problemen in Windhoek…“) und dass das Auto auf allen möglichen schwierigen Straßen wirklich gut zurechtkommt. Also, die Kuhle wurde bezwungen, auf zur nächsten!

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