
Von technischen Problemen in Windhoek zu magischen Momenten in der Wüste
8. September 2026Die nächsten Tage unserer Reise wurden vor allem von Begegnungen mit der wunderbaren Tierwelt Namibias geprägt. Wenn auch zu Beginn etwas anders, als man denken könnte:
Twyfelfontein


Unser nächster Streckenabschnit führte uns nach Twyfelfontein. Wir übernachteten in einer sehr schönen in die Felslandschaft integrierten Lodge. In ihrer unmittelbaren Umgebung befanden sich viele Felsgravuren der San (früher auch Buschmänner genannt), den eigentlichen Ur-Einwohnern der Kalahari-Wüste. Die San haben vor 2000 – 6000 Jahren vor allem Tierdarstellungen auf glatte Felswände geritzt, zum Teil auch Abbildungen von Menschen. Insbesondere die Darstellungen von Giraffen sind hier sehr gut erhalten. Die Felsgravuren haben einerseits spirituelle Bedeutung und wurden andererseits als anschauliches Lehrmaterial für den jungen Jägernachwuchs verwendet.
Wir unternahmen zwei schöne Wanderungen jeweils bei Sonnenuntergang und -aufgang. Dabei stießen wir auch auf einige schöne „Feenkreise“. Diese scharf abgegrenzten vegetationslosen Zirkel im Sandboden findet man nur in der Namibwüste in einem schmalen Streifen von Angola durch Namibia bis Südafrika. Der Grund für ihre Entstehung ist nach wie vor ungeklärt. Die Wissenschaft hat im Laufe der Zeit viele Theorien entwickelt. Aber keine hat sich bisher als schlüssig erwiesen.

Etosha-Nationalpark

Der Etosha-Nationalpark darf natürlich auf keiner Namibia-Reise fehlen. Er ist berühmt für seinen Wildreichtum und ausgezeichnete Beobachtungsmöglichkeiten an zahlreichen Wasserlöchern. Wir hatten zwei Nächte in den dortigen Camps gebucht. Das erste Camp mit dem wohlklingenden Namen Okaukuejo liegt nicht weit vom westlichen Parkeingang entfernt. Als wir dort am späten Nachmittag eintrafen, wurden wir gleich von einer ganzen Herde Elefanten empfangen, die direkt hinter dem Zaun und nur wenige Meter von dem uns zugewiesenen Zeltplatz entfernt entlangwanderten. Wir schlugen unser Lager auf und gingen früh in unseren Zelten schlafen. Ich neige dann auch zu einem sehr festen Schlaf. Ganz im Gegensatz zu Hetty, die einen Großteil der Nacht vom Gebrüll eines männlichen Löwens wachgehalten wurde, der sein Revier absteckte. Immerhin gab es hier zwischen uns und dem Löwen noch einen Zaun. Das würde in Botswana noch ganz anders werden…
In Etosha begannen wir auch mit dem Einnehmen der Malaria-Prophylaxe. Insbesondere die vor uns liegende Sambesi-Region gilt als Malaria-Risikogebiet. Leider reagierte Hettys Körper heftig auf die Tabletten: Bauch- und Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall, das volle Programm. Einen Tag lang litt sie heftig an den Nebenwirkungen. Daher entschlossen wir uns, im zweiten Camp namens Namutoni einen Bungalow anzumieten, statt im Dachzelt zu schlafen. Zumindest für die eine Nacht sollte Hetty ein richtiges Bett und eine Toilette in Reichweite haben… Zum Glück waren die Nebenwirkungen am nächsten Morgen verschwunden.

Und so konnte Hetty dann auch wieder unsere Pirschfahrten durch den Nationalpark genießen. Und wir bekamen jede Menge Tiere zu sehen (siehe auch Hettys Perspektief). Und manchmal kamen wir ihnen auch näher, als uns lieb war: So gerieten wir zum Beispiel einmal plötzlich und ganz unverhofft auf einer Piste, die ansonsten durch dichtes Gebüsch führte, mitten in eine Elefanten-Herde. Zu beiden Seiten der Piste befanden sich in unmittelbarer Nähe überall Elefanten. Natürlich stoppten Floris und Felicitas im Auto vor uns, um Fotos zu machen. Dadurch kamen Hetty und ich aber im nachfolgenden Auto mitten auf dem Elefantenpfad zu stehen, der quer über die Piste verlief. Und das letzte, was man will, ist in einer Elefantengruppe zwischen die Leitkuh und die nachfolgenden Tieren zu geraten. Als ich sah, dass aber genau das drohte, riss ich nur schnell das Funkgerät hoch und brüllte „Fahr!“ hinein. Zum Glück realisierte Floris sofort die Situation, gab Gas und schnell bewegten wir uns aus der potentiellen Gefahrenzone heraus.
An und für sich ist der Etosha-Nationalpark aber auch für Selbstfahrer sehr einfach zu befahren. Allerdings muss man wissen, dass zur Zeit kein Benzin und kein Diesel an den Tankstellen im Park zu bekommen ist. Und man weiß auch nicht, wann sich das wieder ändert. Das muss man also einplanen. Außerdem wird gerade die Hauptpiste instandgesetzt. Daher ist man gezwungen, häufig Umleitungen fahren, was viel Zeit kostet und die Streckenabstände erheblich verlängert. Zudem sind die Nebenstrecken teilweise in sehr schlechtem Zustand. Es gibt riesige Schlaglöcher und massive Auswaschungen, durch die man nur im Schrittempo fahren kann. Ohne Geländewagen ist man hier zur Zeit aufgeschmissen.
Sambesi-Region: das „andere“ Namibia

Auf dem Weg in die Sambesi-Region (früher „Caprivi-Streifen“) im äußersten Nordosten Namibias veränderte sich dann das Bild des Landes. Die Vegetation wurde grüner und üppiger, man merkte, dass hier viel mehr Regen fällt als in der Wüste. Aber auch der Lebensstil der Menschen änderte sich. Aus unserer Sicht wirkte alles sehr viel ärmer. Plötzlich sahen wir wieder Esel- und Ochsenkarren im Einsatz, kleine Wellblechhütten überwogen in den ländlichen Siedlungen als Behausungen. Und je weiter wir kamen, säumten auch immer mehr Gehöfte mit traditionelle Rundhütten in Lehmbauweise mit Strohdächern die Straßen. Viele Menschen waren zu Fuß unterwegs und oft balancierten vor allem Frauen Körbe mit Waren auf dem Kopf. Hetty und Floris fühlten sich stark an Uganda erinnert. Wir übernachteten in Rundu, einer etwas schmucklosen Stadt. In unserem Hotel hatten die Wächter Gewehre und patroullierten bewaffnet nachts auch vor unserer Zimmerterrasse auf und ab.


Auf unser nächstes Großwild trafen wir am bzw. im Kavango River. Bereits bei einem ersten Stopp an seinem Ufer konnten wir zahlreiche Nilpferde im Wasser beobachten. Und dann wohnten wir in einer kleinen, sehr originell und etwas alternativ ausgestalteten Lodge direkt am Flussufer. Sie war bekannt dafür, dass Nilpferde dort nicht nur im Wasser leben, sondern auch insbesondere nachts an Land kommen und zwischen den Hütten und Zeltplätzen herumlaufen, um zu fressen. Nun sind diese Tiere faszinierend anzusehen, aber leider auch ziemlich gefährlich. Statistisch gesehen passieren die meisten (tödlichen) Unfälle mit wilden Tieren in Afrika nicht etwa mit Löwen oder Elefanten, sondern mit Nilpferden. Und daneben sollte es im Fluss auch noch jede Menge Krokodile geben. Insofern war eine unmittelbare Flußuferlage zum Übernachten zwar sehr malerisch, aber irgendwie auch etwas beunruhigend.


Beim Check-In warnte uns der freundliche lächelnde Rezeptionist dann auch: wenn man nachts zu einer der verstreut im Busch aufgebauten Toiletten gehen müsse, solle man eine starke Taschenlampe mitnehmen. Stieße man dann auf eines der Flusspferde, solle man sie mit der Lampe direkt anstrahlen und dann würden sie von sich aus weggehen. Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich es darauf ankommen lassen wollte…

Statt eines Pools verfügte das Camp über eine Badestelle im Fluss, die ein wenig an die Haikäfige erinnerte, in denen man als Taucher geschützt inmitten von Haien tauchen kann. Es war eine Art übergroßer Käfig im Wasser, in dem man schwimmen konnte, ohne von Krokodilen oder Flusspferden angegriffen zu werden. Floris war der mutigste von uns allen und traute sich, ein kurzes Bad zu nehmen!
In der Nacht hörten wir dann auch tatsächlich in unmittelbarer Nähe unseres Lagers das Grunzen und Brüllen der Flusspferde. Und irgendwie verspürte keiner von uns das Bedürfnis auf die Toilette zu gehen. Und am nächsten Morgen zogen dann auch direkt vor uns im Fluss nur wenige Meter entfernt mehrere Nilpferde grunzend und prustend ihre ansonsten friedlichen Bahnen. Tierbeobachten bleiben einfach ein unvergesslicher Teil einer Afrikareise!

Hettys perspektief:
Ein wunderschönes Schauspiel!
„Ich glaube, da kommen noch Elefanten“, sagt Floris über das Walkie-Talkie. Wir stehen am letzten „Wasserloch“ des Etosha-Nationalparks, bevor wir ihn verlassen. Wir beobachten schon eine Weile Giraffen, Kudus, Springböcke und ein Warzenschwein, das vorsichtig zum Wasser läuft. Wir spüren eine Unruhe am Wasserloch und dann sehen wir sie. Die graue Kolonne kommt langsam näher, direkt auf uns zu. Zum Glück liegt das Wasserloch dazwischen. Denn was da ankommt, ist gewaltig. Mindestens neun Elefanten, große, kleine, ganz kleine, Jugendliche – alle sind dabei. Sie nähern sich geräuschlos, wirbeln mit ihren Rüsseln Staub auf, aber es ist wirklich beeindruckend.
Am Wasserloch weichen alle Tiere zurück, das kleine Warzenschwein ist furchtbar enttäuscht – er war fast am Ziel, doch nun kommen die Herrscher der Wasserlöcher. Da sind sie schon; es werden noch ein paar Antilopen verjagt, die zu nahe stehen, und dann beginnt das Spektakel. Es wird getrunken, geschwommen, gespielt und mit Schlamm geworfen. Es ist wirklich ein wunderschöner Anblick.
Schließlich macht sich die Mutterkuh (die Anführerin der Gruppe) auf den Weg; eigentlich sollten alle ihr folgen, aber sie haben noch keine Lust dazu. Die Mutterkuh beginnt, sich mit Sand zu bestreuen, das dient zum Schutz vor Insekten. Der Rest wälzt sich noch im Wasser. Zwei halbwüchsige Elefanten spielen ausgelassen miteinander und haben sichtlich Spaß. Dann macht sich die Anführerin der Herde langsam auf den Weg, der Rest der Gruppe steigt aus dem Wasser und folgt ihr; auch sie bedecken sich mit Staub und Sand und machen sich auf den Weg. Dann müssen auch die beiden Jugendlichen herauskommen, um der Gruppe zu folgen. Im Laufschritt eilen sie der Gruppe hinterher, dabei verscheuchen sie noch ein paar Antilopen und Perlhühner – einfach nur, weil sie es können! Dann ist die Gruppe wieder vereint, die Mutterkuh vorne, eine ältere Tante ganz hinten, und langsam verschwinden sie wieder im Busch; nach ein paar Minuten ist nichts mehr von ihnen zu sehen. Die Ruhe kehrt zurück und mit ihr trauen sich auch die anderen Tiere wieder an das Wasserloch.
Der Etosha-Nationalpark ist das ideale Gebiet für Tierbeobachtungen in Namibia. Es ist wirklich fantastisch. An unserem ersten Abend auf dem Campingplatz sind wir zu einem „Wasserloch“ gegangen (das befindet sich in der Nähe der Campingplätze und ist gut abgeschirmt). Dort haben wir mehrere Elefantenherden gesehen, aber auch drei Nashörner, die sehr selten sind. Außerdem natürlich Zebras, alle möglichen Antilopenarten, kleine Wildschweine, Giraffen und so weiter und so fort. Auf unserer Fahrt durch den Park sahen wir einen Löwen mit Beute, den wir auch gut erkennen konnten. Ganze Herden von Gemsböcken, Zebras. Es gibt wirklich zu viele, um sie alle aufzuzählen. Es ist eine ganz besondere Gegend, die Straßen sind nicht besonders gut, aber man kann dort ja sowieso nicht schnell fahren. Alle paar Minuten sieht man etwas anderes, und es ist großartig, an einem „Wasserloch“ zu stehen und die Tiere dort zu beobachten.
Nach dem Schauspiel mit den Elefanten fuhren wir weiter, immer noch völlig fasziniert von diesen wunderschönen Tieren. Der Elefant ist heutzutage nicht mehr vom Aussterben bedroht, es gibt wieder genug von ihnen; das Nashorn hingegen ist ernsthaft bedroht, was vor allem an den Wilderern liegt, die die Tiere wegen ihres Horns abschlachten. Deshalb gibt es strenge Kontrollen beim Ein- und Ausfahren aus dem Park. Dennoch gelingt es Wilderern immer noch, in den Park zu gelangen und diese wunderschönen Tiere zu töten, denn damit können sie sehr viel Geld verdienen. Wirklich schade. Es ist wunderschön, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Aber wir fahren weiter zu unserem nächsten Spektakel!

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4 Comments
Wie wunderschön! Ich genieße den wohl letzten Spätsommerabend mit über 20 Grad nach 20 Uhr mit etwas Musik bei Kerzenschein auf dem Balkon. Vorhin gab es eine Nachricht von Fleur, die morgen nach Stockholm fährt. Es ist also alles gut! Umarmung von Uli
Ich bin sehr gespannt wie es im Botswana weiter geht!
Ich bin sehr gespannt wie es im Botswana weiter geht!
Wunderschöne Bilder und wie immer schön, durch den Bericht, ein wenig dabei sein zu können!
Freu mich schon auf die Fortsetzung.
Viele liebe Grüße