
Work and Travel in Botswana
3. Oktober 2026Nxai Pan, Makgadikgadi Pans Nationalpark & Central Kalahari Game Reserve
Nach zweieinhalb Wochen „Volunteer Work“ verließen wir Rupert und sein Eselbe Camp in Nata. Nach Tagen mit viel Ruhe und wenig Arbeit durfte es jetzt gerne auch wieder etwas abenteuerlicher werden! Und Möglichkeiten dazu bot Botswana mehr als genug! Also beluden wir unseren Land Rover Defender mit allem, was wir für einen mehrtägigen Campingtrip brauchen würden und machten uns auf den Weg.
Der Traum von Afrika
Ich hatte lange Jahre davon geträumt, im eigenen Geländewagen die afrikanische Wildnis zu bereisen. Auf eigene Faust. Unabhängig. Frei. Quer durch die Savanne. Übernachten im Busch. Mit abendlichem Lagerfeuer, um die Löwen fernzuhalten.
Natürlich war das auch ein wenig naiv. Wie Träume halt so sind. Man stellt es sich immer so einfach vor. Und so romantisch. So „Löwenfamilie vor Sonnenuntergang“-romantisch. Aber bislang waren Hetty und ich in unserem Leben ganz gut darin gewesen, unsere Träume auch in die Tat umzusetzen. Und so sollte es auch diesmal sein: hier in Botswana hatte ich mir vorgenommen, die einsame Wildnis zu bereisen.
Dafür hatte ich mir drei Nationalparks herausgesucht, die sehr viel weniger von Touristen besucht wurden als das allgegenwärtige Okavango-Delta: die Nxai Pan, den Makgadikgadi-Pans-Nationalpark und das Central Kalahari Game Reserve. Insbesondere letzteres war gigantisch groß und schon aufgrund seiner Ausmaße nur wenig besucht. Hetty war nicht ganz so überzeugt von der Idee wie ich, aber sie machte mit. Alleine mit nur einem Fahrzeug fernab jeglicher Zivilisation unterwegs zu sein, barg gewisse Risiken. Das war mir schon klar. Aber für den äußersten Notfall hatte ich ein Satelliten-Telefon eingepackt. Falls doch etwas passieren sollte.
Botswana: „Land of the Potholes“

Wir entschieden uns, als erstes dem Nxai Pan Nationalpark einen Besuch abzustatten. Die Anfahrt von Nata aus sollte eigentlich schnell erledigt sein: Überland-Teerstraße mit 120 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung. Aber Floris und Felicitas hatten bereits vor uns die Strecke gefahren, kurz nachdem wir uns getrennt hatten (siehe „Botswana: Chobe Nationalpark, Kasane und die Victoria-Fälle„). Und sie hatten uns vorgewarnt: die Straße war nicht nur durch kilometerlange Baustellen unterbrochen, sondern auch die „heilen“ Streckenabschnitte waren von unzähligen Schlaglöchern durchsiebt.
Und die sogenannten „Potholes“ in Botswana nahmen gerne mal die Größe eine Kleinwagens an. Oder sie waren gleich so groß, dass der Asphalt über die gesamte Wegbreite weggerissen und von der Straße nichts mehr übrig war. Und natürlich tauchten sie immer aus dem Nichts auf, wenn man sie gerade nicht vermutete. Man musste höllisch aufpassen, dass man sich nicht einen Reifen kaputt fuhr. Am einfachsten war es noch, wenn eines der seltenen anderen Autos weit voraus fuhr und einen durch ausgeprägtes Fahren von Schlangenlinien über die gesamte Straßenbreite vorwarnte. Jedenfalls konnte sich auf diese Weise eine Strecke von knapp 200 Kilometern ganz einfach über mehrere Stunden hinziehen…
Elefanten als Nachbarn
Aber irgendwann erreichten wir dann doch das Gate zum Parkeingang. Wir meldeten uns ordnungsgemäß an und wurden von den Rangern schonmal darauf vorbereitet, dass unser Camp zur Zeit von Elefanten bevölkert sei (siehe auch „Hettys perspektief“). Bis dahin lagen allerdings noch gut 40 Kilometer schwierige Sandpiste vor uns. Also ließen wir ordentlich Luft aus den Reifen, stellten den Defender auf „Sand Mode“ und gaben Gas. Wobei das mit dem Gas auf den Sandpisten so eine Sache ist, viel mehr als 30 km/h sind nicht drin.


Also kamen wir erst gut anderthalb Stunden später in unserem Camp im Norden des Parks an. Dort erwartete uns nicht nur ein ausführliches Gefahren-Warnschild, sondern auch ein ausgewachsener Elefant auf unserer Camping-Parzelle.

In Botswana sind die Campsites in den Nationalparks nicht durch Zäune geschützt. Wilde Tiere können sich also überall frei bewegen und tun das auch. Lediglich das Sanitär-Gebäude des Camps war rundherum durch einen ganzen Teppich aus Beton-Spikes gegen Elefanten abgesichert.
Als der Elefant abgezogen war, schlugen wir unser Lager auf. Ein abendliches Lagerfeuer sollte erstmal weitere Besucher abhalten. Allerdings zeigten sich zumindest zwei Schakale davon unbeeindruckt und liefen in nächster Nähe durch den Feuerschein. Wir zogen uns anweisungsgemäß früh ins Zelt zurück und standen mit Sonnenaufgang wieder auf.
Am nächsten Tag fuhren wir zu den „Baine’s Baobabs“, einer malerischen Gruppe von Affenbrotbäumen, die mitten in einer großen gleißend weißen Salzpfanne standen. Die Szenerie wirkte geradezu surreal und man wähnte sich fast in einem „Herrn der Ringe“-Film. Diese Bäume sind ca. 1000 Jahre alt und über 20 m hoch. Der Entdecker und Maler Thomas Baines hatte diese Baumgruppe 1862 in einem Gemälde festgehalten. Und da die Baobabs sehr langsam wachsen – der Stamm nimmt im Jahr nur etwa 1 mm an Umfang zu – sieht die Baumgruppe heute noch fast genauso aus wie zu Thomas Baines Zeiten.

Am malerischen Boteti-River
Um zu unserem nächsten Ziel, dem Makgadikgadi-Pans-Nationalpark, zu gelangen, mussten wir den Boteti-River überqueren. Er bildet seine westliche Grenze und verbindet das Okavango-Delta mit den Salzpfannen des Parks. In der Trockenzeit ist sein Flussbett gewöhnlicg ausgetrocknet und man kann einfach trockenen Fußes bzw. Reifens von einem Ufer zum anderen fahren. Jetzt aber war der Fluss aufgrund der starken Regenfälle zu einer beeindruckenden Breite angeschwollen. Und so mussten wir unseren Defender mittels einer Pontonfähre übersetzen, die von Hand entlang eines zusammengeknoteten Gurtes von einer Seite auf die andere gezogen wurde.


Das Ganze sah etwas wackelig aus. Zumal man sowohl bei der Fahrt auf als auch von der Fähre noch ein paar Meter durch das knietiefe Wasser fahren musste. Aber wir sahen uns das Procedere erstmal bei einem entgegenkommenden Auto an, fassten Vertrauen und setzten schließlich problemlos über. Auf der anderen Fluss-Seite befand sich dann auch gleich der Park-Eingang und kurz dahinter das Camp für Besucher. Der Check-in verlief diesmal ohne größere Warnungen. Dass man außerhalb des Camps niemals zu Fuß herumlaufen dürfe, erschien wohl selbstverständlich.
Wir schlugen unser Lager in unmittelbarer Ufernähe auf, genossen den afrikanischen Sonnenuntergang und ein kleines Lagerfeuer, bevor wir uns wieder sehr früh ins Dachzelt schlafen legten. Nachts hörten wir dann das typische Knurren und Grunzen einiger Nilpferde, weswegen wir uns auch strikt daran hielten, das Zelt in der Dunkelheit nicht zu verlassen.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine sehr schöne morgendliche Pirschfahrt (oder „Game Drive“, wie sie es hier nennen) entlang des Boteti Rivers. Es ergaben sich einige sehr schöne Panorama-Aussichten auf die Ufer- und Wasserflächen mit großen Gnu- und Zebraherden, die hier je nach Jahreszeit zwischen dem Park und dem Okavango-Delta im Norden hin- und herziehen.


Allerdings hatte ich den sandigen Untergrund der Piste unterschätzt. Eigentlich sah er recht festgefahren und tragfähig aus. Und daher hatte ich nachlässigerweise darauf verzichtet, den Reifendruck des Land Rovers zu reduzieren. Und als wir in eine schmale, weniger befahrene Nebenpiste abbiegen wollten, fuhren wir uns im Tiefsand fest. Vor und zurück – nichts ging mehr. Es machte keinen Sinn weiterzumachen, der Wagen würde sich nur noch tiefer eingraben.

Also half es nichts, Verbot hin oder her, wir mussten aussteigen, Luft aus den Reifen ablassen und den aufgehäuften Sand unter dem Auto wegschaufeln. Das war jetzt prinzipiell nicht so schwierig, aber wenn man nicht weiß, welche Raubtiere unsichtbar um einen herum im Busch sitzen und ggf. zuschauen, ist es doch ein anderes Gefühl! Und es machte es auch nicht wirklich besser, dass sich ein ganzer Schwarm Geier im Baum neben uns niederließ und uns mit hungrigen Blicken betrachtete…
Zum Glück wühlte sich der Defender aber nach den beschriebenen Maßnahmen gleich beim ersten Versuch mühelos wieder aus dem Sand heraus. Und weiter ging es, bevor uns irgendwelche Löwen erwischen konnten…
Central Kalahari: die große Weite
Das Central Kalahari Game Reserve ist mit einer Fläche von fast 53.000 Quadratkilometern das zweitgrößte Naturschutzgebiet der Welt. Es nimmt fast 10 % der Landesfläche Botswanas ein und ist weitgehend unberührt – es gibt keine Zäune, keine asphaltierten Straßen und keine größeren Ortschaften. Das Reservat ist erst seit 1998 für den Tourismus geöffnet und dementsprechend noch wenig besucht. Während unseres Aufenthaltes begegneten wir fast keinen anderen Fahrzeugen. Wer Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass man in der Central Kalahari nur verhältnismäßig wenig Tierbeobachtungen macht. Zumindest war das in der Zeit so, in der wir dort waren. Das Gebiet ist einfach zu weitläufig, als dass die Tiere sich ausgerechnet in Sichtweite der wenigen Sandpisten aufhalten müssten. Im Grunde fuhren wir stundenlang durch teils dichtes Buschland, teils durch weite Savannen-Ebenen und stießen nur in sehr großen Abständen auf Wildtiere. Vor allem sahen wir Oryx-Antilopen, Kudus, Gnus, Springböcke und Strauße.

Trotzdem hatte der Park gerade aufgrund seiner extremen Weite und Einsamkeit seinen Reiz. Schon um unser Camp im Deception Valley zu erreichen, mussten wir uns knapp hundert Kilometer über eine sehr schlechte Piste mit zum Teil extremen Auswaschungen quälen. Im Prinzip war das für einen Geländewagen kein Problem, so lange man einfach sehr langsam fuhr. Aber wenn man eine so lange Strecke im Grunde in der Geschwindigkeit fährt, in der man zu Hause gerade mal die Grundstücks-Auffahrt entlang rollr, dann zieht es sich irgendwann auch ganz schön hin. Da mag die Savanne um einen herum so schön sein, wie sie will. Da bekommt das Geländefahren dann irgendwann auch etwas Meditatives. Und an das kreischende Geräusch, dass die überhängenden Äste des Gebüsch am Pistenrand machen, wenn sie mit ihren spitzen Dornen lange Kratzer in den Lack der Autoseite ziehen, gewöhnt man sich irgendwann auch… 😉
Aber dann am Ende tief im Busch sein Lager aufzuschlagen, hatte definitiv seinen Reiz. Wir waren vorgewarnt gewesen, dass es dort keinerlei Wasser geben würde. Ein Plumpsklo und die nicht mehr funktionsfähigen Reste einer sogenannten Eimerdusche (ein über Kopfhöhe aufgehängter Eimer, den man mit mitgebrachtem Wasser hätte befüllen können, um sich damit abzuduschen) waren der gesamte Komfort. Aber gut, wir hatten alles Überlebensnotwendige dabei, inklusive Feuerholz für das abendliche Lagerfeuer.
Immerhin waren wir nicht ganz alleine. Um unseren Lagerplatz herum hatte sich ein ganzer Schwarm an Perlhühnern versammelt, die sich pünktlich zu Sonnenuntergang auf die umliegenden Bäume verteilten und so in der Nacht vor Raubtieren geschützt waren. Wir verließen uns diesbezüglich erst auf die Flammen des Feuers und verzogen uns dann bereits sehr frühzeitig ins sichere Zelt auf dem Dach des Defenders.

Vorher allerdings bestaunten wir noch den unbeschreiblich klaren Sternenhimmel, der sich über unserem Zelt aufspannte. Keinerlei andere Lichtquellen störten hier den Anblick der Milchstraße, die sich deutlich am Nachthimmel abzeichnete. Und wir waren eingehüllt in Stille. Und irgendwie fühlte er sich sehr gut an, der Traum von Afrika.

Hettys perspektief:
Ein frecher Elefant – und spätestens um neun Uhr im Zelt sein!
„Oh yes, I have to warn you, we have a naugthy elephant in the camp!“
Ohh, ich schlucke kurz. Wir checken in unserem ersten Camp ein… Unsere Tage des echten Wildcampings sind angebrochen. Ich hatte ein bisschen Bedenken: viel Zeit im Auto verbringen, zwischen wilden Tieren campen – und damit meine ich wirklich wild: Löwen, Elefanten, Leoparden, Nilpferde usw. Es ist alles wunderschön, aber die Camps sind nicht geschützt; die Tiere können überall hinkommen und sich völlig frei bewegen, wo immer sie wollen. Die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Campingplatz sind wirklich gleich null. Sie lauten in etwa so:
Schau dich immer um, sei wachsam…
Mache ein Feuer, das schreckt die Tiere kurz ab
Lass kein Essen herumliegen
Sei um 21:00 Uhr im Zelt und komm nicht mehr heraus, bevor es hell wird (letztes Camp)
Das war’s auch schon. Viel Spaß! Enjoy!
Okay, und dann kommt man auf dem Campingplatz an und schon steht ein riesiger Elefant am Eingang. Hartwig versuchte noch, mich zu beruhigen: „Unser Stellplatz ist gleich um die Ecke.“ Wir fuhren ein Stück weiter und was stand da auf unserem Stellplatz? Auch ein Elefant. Na klar … Das hat mich für die Nacht wieder total beruhigt… Diese Tiere sind wirklich sehr groß und imposant, wenn man sie aus ein paar Metern Entfernung sieht.
Und dann ist da natürlich noch das Problem mit dem Pipimachen. Eigentlich muss ich nachts nie auf die Toilette. Und das geht natürlich auch nicht, weil es viel zu gefährlich ist, dort im Dunkeln herumzulaufen, und man darf auf keinen Fall das Zelt verlassen. Aber natürlich muss man es dann doch. Sehr nervig. Nun hatte ich uns bereits Urinbecher in der Variante für Männer und Frauen gekauft. Zu Hause unter der Dusche ausprobiert, und das hatte ganz gut geklappt. Aber ja, dann in einem engen Dachzelt. Um 3 Uhr nachts musste ich wirklich, den Becher herausgeholt, halb sitzend ging es nicht wirklich. Zelt aufgemacht und auf die Leiter gestellt, das hat geklappt. Währenddessen hörte ich ein Nilpferd fröhlich grunzen und war sehr froh, nicht aus meinem Zelt raus zu müssen, auch nicht neben das Auto, was ich doch auch kurz in Erwägung gezogen hatte.
Wir hatten eine wirklich wunderschöne Zeit, das Fahren war eine echte Herausforderung – darüber hat Hartwig bereits geschrieben –, und wir sind schon ein bisschen stolz auf uns, dass wir das geschafft haben. Der freche Elefant hat uns übrigens in der Nacht nicht besucht, glauben wir zumindest……

Views: 53

3 Comments
Hallo Ihr Lieben, ich sitze also gerade auf dem Sofa in meiner Wohnung und lese Euer Abenteuer! Und selbst beim Lesen, zieht es in der Magengegend. Einfach unglaublich, was Ihr Beiden Euch zutraut. So weit weg von jeglicher Zivilisation und ganz auf sich allein gestellt mit den wilden Tieren. Ich finde es einfach toll und bewundernswert! Passt gut auf Euch auf!
Kamperen in de daktent! Dit is toch wel het echte avontuur dacht ik voordat ik jullie verhaal ging lezen.Nou, jullie doen nog wel de overtreffende trap! Ik ben ook een echte kampeerder maar dit overtreft toch wel alles. Geweldig om te lezen, knap dat jullie het aandurven.Wij zijn nog een paar dagen met onze auto/tentje weggeweest tussendoor en hadden allebei 3 dagen last van de rug. Dus Rudi is al weer bezig om ons ‚campertje‘ nog meer comfortabeler te maken want het is toch altijd weer erg leuk. Maar daar hoor ik jullie niet over klagen gelukkig! Ik ben benieuwd naar jullie volgende verhaal! Liefs diana
Auch dieser Bericht von euch war wieder so spannend und unterhaltsam zu lesen! Diese Weite – und das fast menschenleer – muss so unglaublich beeindruckend sein – und ihr mittendrin!
Aber die Situation mit dem festgefahrenen Reifen und den wartenden Geiern inklusive fand ich selbst beim Lesen kribbelig… ohaueha…!!
Hetty, ich danke dir für die Aufklärung mit dem nächtlichen Pipi machen 🙂 Ich glaube, ich würde schon mittags aufhören, was zu trinken 😉 (was natürlich nicht gut wäre).
Genießt eure Reise weiterhin.
Ganz liebe Grüße, Claudia