
Wie afrikatauglich ist der neue Land Rover Defender? – Wir finden’s raus!
19. Juli 2026Es ist irgendwie immer das Gleiche: in den letzten Tagen vor einer großen Reise kommt es irgendwann zum Moment des Heulens und Zähneklapperns: die großen Zweifel schlagen zu und ich stelle mir unwillkürlich die Frage: „Warum tun wir uns das eigentlich an?“. Und das war bei dieser Reise natürlich nicht anders. Zu groß waren die Unwägbarkeiten in der Organisation, zu vieles konnte schiefgehen…
Zum Glück gibt es da ein quasi unfehlbares Mittel, um diese Frage zuverlässig und treffsicher zu beantworten: genau, chinesische Glückskekse! Also griffen Hetty und ich beherzt zu, als uns kurz vor unserer Abreise in einem etwas obskuren China-Restaurant in Regensburg nach der Mahlzeit ein Korb mit „Fortune Cookies“ gereicht wurde. Wir hatten es etwas eilig und nahmen die Kekse ungeöffnet mit uns ins Auto.
Und während ich gerade unseren Wagen durch die verengten Fahrbahnen einer Autobahnbaustelle lenkte, bat ich Hetty, mir die Zukunftsprognose auf dem kleinen Zettel im Cookie vorzulesen. Aber sie meinte, ich müsse zuerst den Keks essen, den sie mir herüber reichte. Während meine Aufmerksamkeit auf die etwas kitzlige Verkehrslage vor mir gerichtet war, griff ich zum Cookie, stopfte ihn weisungsgemäß in den Mund und zerkaute ihn. Das war der Moment, in dem ich feststellte, dass der Keks noch unversehrt war und sich der Zettel demzufolge noch in seinem Inneren befunden hatte. Zu spät, ich hatte ihn bereits herunter geschluckt. Hetty neben mir prustete los. Angesichts der Wichtigkeit des Zettelinhalts für den Verlauf unserer Reise dachte ich kurz über die Möglichkeit einer Magenspiegelung nach, verwarf den Gedanken aber ebenso schnell wieder. Immerhin hatten wir ja noch einen zweiten Glückskeks.

Und dessen Zettel lieferte dann tatsächlich und wie erhofft die Antwort auf die oben gestellte Frage: „Warum tun wir uns das eigentlich an?“ – nämlich: „Sie sind für Abenteuer zu haben.“ Und mehr brauchte es eigentlich nicht. Damit war alles gesagt. Also konnte es losgehen:
Abenteuer Auto-Verschiffung

Der erste Teil des Abenteuers war die Auto-Verschiffung. Nachdem unser Reisefahrzeug in Hamburg erstmal im Schiffscontainer verladen war, konnten wir allerdings erstmal nur warten. Immerhin konnte man beim Warten zumindest per Schiffstracker zusehen, wo sich „unser“ Schiff, die „Golden Karoo“, gerade befand. Und ob es irgendwann nicht doch vielleicht plötzlich nach Montevideo abbiegen würde statt nach Walvis Bay zu fahren (siehe unser letzter Reisebericht „Wie afrikatauglich ist der neue Land Rover Defender?“). Jedenfalls warf ich während der folgenden Wochen nun ab und zu einen beiläufigen Blick auf die entsprechende Webseite – oder wenn man Hettys Darstellung Glauben schenken mag: quasi täglich. 😉 Aber das hatte auch seinen Grund: sollte sich das Schiff auch nur um ein paar Tage verspäten (was durchaus sein konnte), würde das unsere Reisepläne ganz schön durcheinander werfen.

Aber wir hatten Glück: die „Golden Karoo“ erreichte den Hafen von Walvis Bay auf den Tag genau pünktlich! Allerdings dauerte es anschließend noch geschlagene 8 Tage, bis der Container vom Schiff abgeladen und die beiden Autos vom lokalen Handling Agent herausgeholt und durch den Zoll gebracht waren.
Unsere „Container-Buddies“ Benedikt und Alica, deren alter Land Rover Defender sich zusammen mit unserem den Container geteilt hatte, waren beim Öffnen desselben bereits vor Ort. Hetty und ich befanden uns zu diesem Zeitpunkt noch mitten auf der Anreise. Aufgrund der möglichen technischen Probleme beim Neustart unseres Defenders nach 5 Wochen ohne angeschlossener Batterie war ich etwas angespannt. Umso erfreuter war ich, als uns während eines Stopovers auf dem Flughafen Frankfurt eine WhatsApp-Nachricht von Benedikt und Alica erreichte: alles hatte gut geklappt, die Autos waren im Hafen! Mit Fotobeweis! Ich atmete erstmal durch. Das war schonmal geschafft. Und zwar gerade rechtzeitig: am nächsten Tag wollten wir den Wagen in Empfang nehmen. Wir hatten nur den Freitag-Nachmittag. Danach wäre das Hafenbüro geschlossen und wir würden bis Montag warten müssen.
Die Flüge von Amsterdam über Frankfurt und Johannesburg bis nach Walvis Bay verliefen wie halt internationale Flugreisen so verlaufen. Lange Wartezeiten, viel Sitzen auf engen Flugsesseln, dann wieder Warten und zwischendurch plötzlich doch noch Hektik, weil so manche Abläufe plötzlich unerwartet langwierig waren – Hetty weiß ein Lied davon zu singen (siehe „Hettys perspektief“).
Zwischendurch überlegten wir noch, ob wir für den Nachtflug Frankfurt – Johannesburg uns ein Last minute-Upgrade in die Business Class leisten sollten – so nach dem Motto: „Einmal im Leben müsste man das doch mal erlebt haben!“. Also fragten wir treuherzig im Lufthansa Service Center, ob so etwas kurzfristig und irgendwie noch halbwegs kostengünstig zu regeln sei. Ja, sei es, allerdings war es auch zu diesem Zeitpunkt keineswegs wirklich billig: es hätte den Preis des Flugtickets immer noch mal eben locker verdoppelt. Da haben wir dann doch bedauernd aber dankend abgelehnt. Wer weiß, vielleicht irgendwann einmal…
Walvis Bay, Namibias einziger Tiefseehafen
Also kamen wir nicht ganz so ausgeruht am nächsten Tag in Walvis Bay an. Der Flughafen war winzig und rundum von den Sanddünen der Namibwüste umgeben. Schon beim Anflug hatten wir das unendlich wirkende Meer aus ockerfarbenem Sand und braunem Felsgestein bewundern können.

Aus der Maschine kletterten wir über eine wackelige Treppe nach draußen und begaben uns zu Fuß über die Landebahn zum kleinen Empfangsgebäude. Die Formalitäten konnten sich schon aufgrund der überschaubaren Passagierzahl nicht unendlich in die Länge ziehen. Und so waren wir relativ schnell in der Empfangshalle gelandet. Also wie gewohnt als erstes Bargeld aus dem Automaten ziehen und eine lokale Simcard für das Handy besorgen. Ja, von wegen! Der Flughafen von Walvis Bay ist so klein, dass weder ein Geldautomat noch ein Telefonprovider vor Ort vertreten waren. Und einen offiziellen Taxistand gab es natürlich auch nicht. Aber selbstverständlich fand sich trotzdem ganz schnell ein netter Privatunternehmer, der bereit war, uns in seinem Taxi in die Stadt zu befördern. Und natürlich bewahrheitete sich auch hier wieder die alte Reise-Weisheit: das erste Taxi in einem neuen Land ist immer das teuerste! 😉
In Walvis Bay begaben wir uns dann eilig zum Hafen, wo uns ein Mitarbeiter des Hafenagenten zum Lagerhaus fuhr, in dem unser Defender bereits auf uns wartete. Als wir das mit Stacheldraht umzäunte Gelände erreichten, musste sich unser Fahrer am Wächterhäuschen nicht nur in eine Liste eintragen, sondern auch gleich noch routinemäßig in einen Alkoholtester blasen, bevor wir eingelassen wurden. Eine interessante Sicherheitsmaßnahme, zumal unsere Legitimation unmittelbar vorher im Büro der Firma ausgesprochen lax gehandhabt wurde: Ein „Oh, you are Mr. Hartwig?“ – „Yes!“ hatte ausgereicht, um uns bedenkenlos die Autoschlüssel samt Zollpapieren zu übergeben.
Der Defender ließ sich dann – zum Glück! – völlig problemlos starten. Auch von irgendwelchen elektronischen Problemen keine Spur. Erleichterung machte sich breit. Also machten wir uns guter Dinge auf den Weg in das nahegelegene Swakopmund. Hier würden wir erstmal zwei Tage bleiben, um uns zu organisieren und umfangreiche Einkäufe zu erledigen.
Swakopmund: deutsche Spuren aller Orten



Swakopmund wurde 1892 von deutschen Kolonisten gegründet und gilt bis heute als die deutscheste Stadt Namibias. Es leben noch rund 1200 deutschstämmige Einwohner in der Stadt. Und an allen Ecken und Enden findet man Spuren der kolonialen Vergangenheit. Auch wenn die Hauptstraße mittlerweile von „Kaiser Wilhelm Straße“ in Sam Nujoma Avenue umbenannt wurde. Zahllose historische Fachwerkhäuser sowie eine irgendwie bayerisch anmutende Kirche mit Zwiebelturm bilden einen bizarren Kontrast zu der die Stadt umgebende Namib-Wüste.
Karneval in der Wüste



Aber auch deutsches Brauchtum wird nach wie vor in Swakopmund ausgiebig gepflegt: Als wir am nächsten Tag einen Stadtrundgang machten, stießen wir mitten im Zentrum auf eine deutsche Karnevalsveranstaltung: einen Monat vor Karnevalsbeginn findet hier nämlich der sogenannte „Narrenwecker“ statt, der Tag, an dem der offizielle Kartenverkauf für die Karnevalsveranstaltungen beginnt. Dabei soll schonmal ein Vorgeschmack auf die närrische Saison ganz im deutschen Stil gegeben werden. Und so trafen wir also auf zahlreiche bunt kostümierte Mitglieder des Swakopmunder Karnevalsvereins. An langen Reihen von Biertischen schunkelten Närrinnen und Narren glückselig zur Musik einer Schlagerband und aßen Bratwürste mit Sauerkraut. Mir als Norddeutschem erscheint ja schon der Kölner Karneval als höchst exotisch, aber diese Veranstaltung am südlichen Ende des afrikanischen Kontinents übertraf wirklich alles. Leider versäumte ich es, mich zu erkundigen, wie das Swakopmunder Pendant zu „Kölle Alaaf“ bzw. „Düsseldorf Helau“ lauten würde. (Wer mehr über den Swakopmunder Karneval wissen möchte, klickt hier).
Vorher hatten wir noch unsere „Container-Buddies“ Benedikt und Alica in einem Cafe abseits der Hauptstraße getroffen und uns mit ihnen über unsere weiteren Pläne ausgetauscht. Sie werden mit ihrem alten Defender „Elvis“ wohl gut ein Jahr kreuz und quer durch Afrika fahren und die Rückreise vielleicht sogar auf dem Landwege antreten. Die Kosten für die Verschiffung waren am Ende ganz schön hoch gewesen. Und so gab es die Überlegung: „Hey, bei den Preisen können wir den Wagen auch gleich selbst zurückfahren!“ Was auch immer es werden wird, wir wünschen Euch eine gute und sichere Reise! (Wer den beiden auf Instagram folgen will, hier ist der Link.)
Nächster Stopp: Windhoek
Der nächste wichtige Programmpunkt dieser Reise war die Ankunft unseres Sohnes Floris und seiner Verlobten Felicitas. Mit ihnen beiden würden wir die nächsten zwei Wochen die Mitte und den Norden Namibias bereisen. Wir hatten versprochen, sie in Windhoek am Flughafen abzuholen. Also machten Hetty und ich uns am nächsten Tag mit unserem Defender frohen Mutes auf den Weg in die namibische Hauptstadt.
Aber da ahnten wir auch noch nicht, dass uns dort (Glückskeks hin oder her) unser Glück vorerst im Stich lassen würde…

Hettys perspektief:
Opzij opzij opzij
Maak plaats maak plaats maak plaats
(Lied von Herman van Veen)
Da stehen wir nun, in einer riesigen Schlange vor dem Zoll in Johannesburg. Wir haben etwa zwei Stunden Umsteigezeit, da wir nämlich weiter nach Walvis Bay in Namibia fliegen. Man könnte meinen, das sei genug Zeit, aber nun ja, wir sind in Afrika. Hunderte von Menschen stehen in einer einzigen Schlange, denn es ist nur ein einziger Zollbeamter im Einsatz. Er erledigt alles in aller Ruhe und lässt sich nicht von all den Europäern unter Druck setzen, die (genau wie ich) nachsehen wollen, warum es so lange dauert. Es wird ein bisschen gemeckert in der Schlange.
Dann kommt eine riesige Gruppe vorbei, vielleicht öffnet sich eine andere Schlange – ich stelle mich dort hin, denn inzwischen sind schon 45 Minuten vergangen. Quälend langsam, Schritt für Schritt, komme ich dem Zollschalter näher. Inzwischen habe ich Hartwig schon hektisch gewunken, dass er sich zu mir stellen soll. Er stand noch ganz weit weg in der anderen Schlange. Wir sind an der Reihe, kurz den Pass abstempeln lassen und wir dürfen weiter. Wir haben noch eine Stunde Zeit, schnell weitergehen. Dann das nächste Hindernis: Unser Handgepäck muss wieder durch die Sicherheitskontrolle, wieder eine riesige Schlange. Aber zuerst muss unsere Bordkarte von einer mürrischen Dame gescannt werden; nachdem dreimal ein rotes Licht aufgeleuchtet war, sagte sie uns in afrikanischem Englisch, dass wir uns unten eine andere besorgen müssten – das bedeutete, wieder durch den Zoll, und wo sollten wir eine neue Bordkarte herbekommen? Ich wurde immer nervöser. Hartwig kam mit der Lösung: Wir hatten ja auch noch digitale Bordkarten, und die funktionierten zum Glück. Wir durften weiter, wieder in die Schlange bei der Security.
Langsam gingen wir weiter, auch hier war nur eine Schlange offen und es herrschte ein ziemliches Durcheinander. Endlich hatten wir es hinter uns, schnell zum Gate – dort wurde bereits eingestiegen, wir konnten direkt durchgehen, in den Bus und zum Flugzeug.
An dem Nachmittag in Walvis Bay mussten wir dann auch noch zu einem Amt, um die Kfz-Steuer zu bezahlen; auch hier war nur eine Person vor uns, aber die Dame von der Behörde tippte mit zwei Fingern, quälend langsam, außerdem hatte sie einen Computer, der ab und zu ausfiel. Das hat sicher wieder eine Stunde gedauert. Ich habe es wirklich kaum noch ausgehalten und habe mich ins Auto gesetzt und gelesen.
Wir sind in Europa (vor allem im Norden) an schnellen Service und Kundenfreundlichkeit gewöhnt, aber hier ist das anders. Das Tempo ist wirklich viel langsamer – ist das schlecht? Nein, ganz und gar nicht. Es ist einfach anders als bei uns. Ich glaube wirklich, dass es hier viel weniger Burnout-Fälle gibt als bei uns. Die Menschen machen sich weniger Stress, das Tempo beim Gehen und Arbeiten ist viel langsamer (wir rennen nämlich an allen anderen vorbei). Das Ganze ist nicht besonders effizient. Man muss sich vor allem erst wieder daran gewöhnen, aber ansonsten ist es herrlich, wieder in Namibia zu sein. Ein wunderschönes Land, tolle Farben, herrliches Wetter und sehr entspannte Menschen.
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15 Comments
Welch lustiger Gedanke, auf „ billig“ Business Class fliegen zu wollen. Mich schlapp mich lach.
Ja, hat auch nicht so richtig funktioniert! 😉
Das Abenteuer fängt an!!
Genau! Endlich sind wir unterwegs! Vorher macht man sich um alles einen Kopf und versucht, für alle Eventualitäten vorzusorgen – da ist es dann nur gut, wenn man endlich loslegen kann!
Eine Magenspiegelung auf der Suche nach dem 2. Glückskeksspruch wäre doch kein Ding gewesen – ich kenne da eine sehr gute Klinik in Erfurt…
Aber ich kann dir auch so sagen, was draufstand:
„Das Leben ist ungewiss, iss erst den Nachtisch.“
:-))
Nach dem, wie es dann weitergegangen ist, tippe ich eher darauf, dass auf dem anderen Glückskeks-Zettel stand: „If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen!“ 🙂
HARTWIG! Du kannst die besorgte Tante nicht mit so einem Cliffhanger buchstäblich in der Luft hängen lassen. Was ist passiert? Geht es euch allen gut???
Ja, uns geht es alle gut, keine Sorge! Aber es galt, ein paar unvorhergesehene Herausforderungen zu meistern… 😉
Geweldig..!!
Dankjewel, Onno!
Mein Lieber! Das hört sich ja spannend an vor allem die Karnevals Ecke ;)!! Liebe grüße und passt auf euch auf!
Luan
Haha, Luan, beim Karneval in Swakopmund habe ich selbstverständlich sofort an Dich denken müssen! 😀 Wäre ganz sicher etwas für Dich gewesen!
Viele Grüße aus der Wüste!
Ihr Lieben,
was für ein aufregender Start zu einer aufregenden Reise! Hartwig, den Glückskekszettel in Deinem Magen fand ich besonders amüsant. Vielleicht stand drauf „Vertraue Deinem Glück – du trägst es bereits in dir!“
Der „Cliffhanger“ ist mal wieder sehr gut gelungen .
Wir hoffen, es geht euch weiterhin gut und wünschen euch ganz viel Freude bei der großen Reise.
Claudi & Thomas
Hallo Claudia,
ich hatte naürlich kurz überlegt, ob ich noch versuche, den Zettel auf „natürlichem Ausscheidungswege“ zu retten und zu lesen, habe es dann aber doch gelassen… Wir werden wohl nie wissen, was darauf stand! .-)
Liebe Grüße aus der Namib-Wüste!
Hallo Ihr Lieben, endlich ein Bericht! Ich habe schon gespannt darauf gewartet: es ist alles so unglaublich aufregend! Und Hettys Perspectief ist auch immer so lustig zu lesen!
Euch eine super tolle Zeit nun auch mit Floris und Feli,
viele liebe Grüße an alle Gudrun